Archdorf Route 1.1 - Ihm Geld geben

Du seufzt erneut und schließt die Augen kurz, ehe du deinen Geldbeutel aus deinem Mantel hervorkramst. Du beschließt, dass es deine gute Tat für den Tag wäre diesem armen Mann zu helfen. Nachdem du einen Anteil des eben durch den Handel verdienten Geldes herausgenommen hast, verstaust du die Börse wieder und drehst dich um. Die Augen des Bettlers glänzen und du händigst ihm das wertvolle Tauschmittel aus. Er beugt sich kurz nach vorne, um dir seinen Dank auszudrücken und schüttelt dir begeistert die Hände. „Vielen, vielen Dank, Ihr habt soeben einem armen alten Mann das Leben gerettet. Diese Welt braucht mehr solche Leute, wie Euch. Ich wünsche Euch von Herzen, dass all Eure Träume in Erfüllung gehen und Ihr bis ans Lebensende von Glück begleitet werdet! Habt vielen Dank!“ Du kratzt dich verlegen am Kopf und nickst, dann siehst du ihm nach, wie er zurück in den Schatten der überdachten Gasse humpelt. Du hoffst, das Richtige getan zu haben und machst dich wieder auf den Weg zum Gasthaus.

Nach einer Weile ohne weitere Vorkommnisse erreichst du dein Ziel und betrittst das warme, einigermaßen einladende Gebäude. Eine Maid an der Rezeption heißt dich willkommen und bietet dir ein Zimmer für die Nacht an, welches du dankend annimmst. Zu deiner Enttäuschung allerdings hat die Küche bereits geschlossen und so bleibt dir nur übrig deinen Hunger bis zum nächsten Morgen zu ertragen. Da du aber ohnehin müde bist, wirst du bestimmt schnell einschlafen und somit wäre das alles halb so schlimm, denkst du. Bevor du jedoch auf dein Zimmer gehst willst du dir eins nicht nehmen lassen – dein kaltes Feierabend-Bier. Du gehst also an der Treppe neben der Rezeption in einen Nebenraum über dessen Tür groß ‚Bar‘ geschrieben steht und setzt dich auf einen der freien Hocker an der Theke. Du gibst deine Bestellung auf und während du auf deine kühle Erfrischung wartest fällt dein Blick auf eine Gruppe an Gästen, die an einem runden Tisch ein Kartenspiel spielen. In der Mitte des Tisches liegt eine beachtliche Summe an Geld, das gerade von einem Mann in der Runde lachend umarmt wird. Hinter ihm steht eine blonde Frau, die begeistert in die Hände klatscht. Du hattest beim Glücksspiel leider noch nie gute Karten und hast es daher schon seit einer Weile an den Nagel gehängt. Narren. Du lächelst und legst das Geld für dein Bier heraus, das eben ankommt. In vollen Zügen genießt du deine kalte Erfrischung während die Gaststätte dich langsam von der Kälte der Nacht aufwärmt. Als du bereits halb trocken bist trinkst du den letzten Schluck deines Getränks und machst dich auf zu deinem Zimmer. Die Treppe zu deiner Bleibe knarzt bei jedem deiner Schritte und du hoffst niemanden aufzuwecken. Du öffnest die Zimmertür und stellst fest, dass eines der beiden Betten hier bereits belegt ist. Da du dem Obdachlosen vorhin Geld gegeben hast musstest du nun ein billigeres Zimmer nehmen und es dir mit einem Fremden teilen. Dieser schnarcht jedoch und so zuckst du nur mit den Schultern und gehst zu deinem Bett. Müde legst du deine nasse Kleidung ab, verstaust Geldbeutel und Dolch unter deinem Kissen und schaust aus dem Fenster, bevor du dich hinlegst und dir die warme Decke über den Kopf ziehst. Zu dem Geräusch von prasselndem Regen schläfst du schnell ein.

 

Warmer Chromaschein dringt durch das Fenster als du langsam durch die zunehmende Helligkeit deiner Umgebung und lautes Vogelgezwitscher geweckt wirst. Gähnend öffnest du die Augen und beschwerst dich, dass du zu wenig Schlaf bekommen hast. Du blickst nach draußen und siehst bereits einige Chromasterne durch das Fenster am Himmel. Du denkst, dass es höchste Zeit ist nach Hause aufzubrechen und stehst auf. Deine nasse Kleidung ist mittlerweile getrocknet und das freut dich. Du ziehst dich an, holst deine Wertsachen unter dem Kissen hervor, bist erleichtert, dass dein Geld noch da ist und machst dich auf den Weg die Gaststätte zu verlassen. Trotz deines Hungergefühls beschließt du nun dir kein Frühstück zu gönnen – du würdest es schon bis nach Hause aushalten und somit bliebe mehr Geld für deine Familie übrig. Nachdem du für die Nacht bezahlt hast begibst du dich nach draußen auf die Straße und nimmst dieses Mal den kürzeren Weg zum Stall durch die Gasse, die nun erhellt durch den Schein der Chromasterne gar nicht mehr bedrohlich wirkt. Auf halbem Weg kommst du an zwei Rittern vorbei, die im Gespräch mit einer aufgebrachten Frau sind. Als du näher kommst kannst du sehen, dass sie weint und mit den Nerven am Ende ist. „Bitte, Ihr müsst ihn finden, das ist nicht seine Art nicht nach Hause zu kommen, da muss etwas passiert sein! Am Ende… ist mein Mann… ein Opfer des Halloween-Mörders… und ich sehe ihn… nie wieder…“ Die beiden Ritter sehen sich an und versuchen die Frau zu beruhigen, versuchen ihr zu vermitteln, dass sie jetzt nichts tun könnten, außer Ausschau nach ihrem vermissten Mann zu halten. Du gehst an ihnen vorbei und willst nicht gleich vom schlimmsten ausgehen, denkst, dass ihr Mann eventuell bei einer anderen Frau ist. Dennoch schaust du zu Boden und ohne zu wissen warum beschleicht dich das Gefühl, dass sie recht hat und ihren Geliebten nicht wieder sehen wird. Den Kopf schüttelnd fragst du dich, warum du dir um Dinge Gedanken machst, die dich nichts angehen und kommst schließlich nach einer Weile am Stall an. Vor dem Gebäude steht eine kleine Gruppe Menschen und du verspürst eine angespannte Stimmung. Du ignorierst es aber und gehst durch die offenen Türen ins Innere. Beim Vorbeigehen fällt dir auf, dass die Gruppe um einen Ritter verssammelt ist, hörst aber nicht genau, worüber geredet wird, nur aufgebrachtes Durcheinander. Aber du bist ohnehin in Eile und möchtest aufbrechen, damit du bestenfalls vor Einbruch der Dunkelheit zuhause bist. Du holst dein Pferd und beginnst es an deinen Wagen zu spannen, froh, dass beides noch da ist, als sich ein Mann von der Menschengruppe löst und dir zur Hilfe kommt. Scheinbar ein Mitarbeiter des Stalls. Er grüßt dich leise ohne dich anzusehen und beginnt damit dem Pferd das Geschirr anzulegen. Dich beschleicht wieder ein mulmiges Gefühl und als du bemerkst, dass der Mann zittert, beschließt du ihn darauf anzusprechen. „Sir, ist alles in Ordnung?“ Ohne dir zu antworten, sieht dich der Mann nun an – er wirkt blass und die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben. Du blickst hinüber zu der Gruppe an Menschen, von denen der Mann kam und bemerkst, dass dort einige Leute ebenfalls verängstigt wirken. Du deutest mit dem Kopf auf die Menge und fragst ihn nun von der Neugier gepackt. „Worum geht’s denn da vorne und was macht der Ritter eigentlich hier? Gab es einen Diebstahl?“ Die Augen des Mannes wandern mit leerem Blick zu Boden, bevor er eine Antwort gibt. „Ha—habt Ihr es noch nicht gehört? Der… Halloween-Mörder ist… zurück… Gestern Nacht hat er wieder zugeschlagen… Man hat bereits eine entstellte Leiche gefunden und… es sind bereits einige Menschen als Vermisst gemeldet worden…“ Er schluckt und macht sich wieder an die Arbeit, während du leicht schockiert und mit geweiteten Augen dastehst. Und dabei dachtest du es wäre endlich vorbei. Dir wird bewusst, dass du gestern eventuell in Gefahr warst und du erinnerst dich an das mulmige Gefühl, dass du hattest, als du in die dunkle Gasse geschaut hast, welches dich letztlich davon abhielt diesen Weg zu nehmen. Wer weiß, vielleicht hat dich genau dieses Gefühl gerettet? Plötzlich läuft dir ein unangenehm kalter Schauer den Rücken herunter. Du schüttelst deine Gedanken ab und machst dich daran dein Pferd vor den Wagen zu spannen, bedankst dich bei dem Mann und kletterst auf die Holzbank deines Transportmittels. Vergessen ist der Gedanke in Archdorfs Waren zu investieren. Du möchtest einfach nur schleunigst hier weg. Auch wenn Halloween bereits vorbei ist und es ein heiterer, strahlender Vormittag ist, wirst du das Gefühl nicht los, dass dir gestern etwas Schreckliches hätte widerfahren können, wenn du die dunkle Gasse entlang gegangen wärst. Hm… Hätte sein können… Ist aber nicht passiert. Du bist froh, dass du wohlauf bist, verspürst aber Mitleid für die Opfer. Nachdem du dein Pferd aus dem Stall gelenkt hast lässt du es antraben und ihr steuert den Ausgang des Dorfes an. Sowie du auf der erdigen Landstraße angekommen bist, schaust du zurück. Die Bäume und Maisfelder ziehen an dir vorbei und die Entfernung zwischen dir und Archdorf wird größer. Du richtest dich wieder nach vorne und hoffst, dass auf deinem Heimweg keine Zwischenfälle passieren. Und auf jeden Fall war dies das erste und letzte Mal, dass du zu Halloween in Archdorf bist.

Ende 1: Eine ruhige Nacht in Archdorf

de_DEDeutsch