Archdorf Route 4.3 - Dich selbst opfern, um dem Mädchen die Flucht zu ermöglichen
In deiner Verzweiflung weichst du einige Schritte zurück, bis du mit dem Rücken gegen die Wand stößt. Je näher der Mann in Wolfsmaske dir kommt, desto mehr steigt dein Bedürfnis die Distanz zwischen dir und ihm wieder auszubauen, aber es ist dir nicht möglich. Dein Blick fällt auf das misshandelte Mädchen, welches jetzt unmittelbar rechts vor dir zu deinen Füßen kauert und markerschütternde Schreie von sich gibt. Wieder erinnert sie dich an deine Kinder und so beschließt du das zu tun, was vermutlich jeder Elternteil für eines seiner geliebten Schützlinge tun würde. Du wirst dieses Mädchen beschützen, selbst wenn es dir dein Leben kostet. Kein weiteres Haar wird dieser Mann ihr krümmen! Entschlossen umschließt du die Axt in deiner rechten Hand fester und greifst mit der anderen nach dem Arm des Mädchens. Der einzige Plan, der dir einfällt, ist sehr riskant und wird dir mit aller Wahrscheinlichkeit dein eigenes Leben kosten. Du wirst dich selbst aufgeben, um der jungen Frau die Flucht zu ermöglichen. Aber ob sie dazu in ihrem derzeitigen Zustand in der Lage wäre, weißt du nicht. Du kannst nur hoffen. Deine aufopfernde Entscheidung, die deinen sicheren Tod herbeiruft, lässt eine unerwartete Ruhe, aber auch eine tiefe Trauer und eine andere, unvergleichbare Furcht, wie du sie noch nie zuvor gefühlt hast, in dir hochkriechen. Tränen schießen dir in die Augen, dein ganzer Körper zittert und du hast Angst. Angst vor dem Tod. Aber noch mehr Angst vor der Folter, die dich vermutlich davor erwartet. Und dennoch ist dein Verstand plötzlich klar und du weißt ganz genau, was du zu tun hast. In dieser Sekunde, in der du den Arm des Mädchens fest umgreifst, hast du mit deinem Leben abgeschlossen und nun zählt für dich nur noch, dem armen Kind zur Flucht zu verhelfen.
Die junge Frau zuckt bei deiner Berührung zusammen und versucht sich verzweifelt zu wehren, als du sie nach oben an deine linke Seite ziehst. Sie schlägt nach dir, aber als sie sich umwendet und eure Blicke sich treffen kannst du regelrecht in ihren verheulten Augen sehen, dass sie erkennt, dass du es bist. Die Person, die sie zuvor befreit hat und ihr nichts Böses will. Sowie sie dies bemerkt wird sie leiser und wehrt sich nicht weiter gegen deinen Griff. Du scheinst es geschafft zu haben, sie etwas aus ihrem traumatisierten Zustand zu holen. Vielleicht kann sie nun realisieren, dass du ihr zur Flucht verhilfst und sie gleich weglaufen muss!
Der Mann in Wolfsmaske ist nur noch wenige Meter von euch entfernt und du lässt keine weitere Sekunde verstreichen, ehe du die Hand mit der Axt hebst, Schwung holst und sie in die Richtung des Mörders schmetterst, auf seine linke Schulter zielend. Er wirkt wenig überrascht und schafft es, wenn auch nur knapp, dem Geschoss auszuweichen. „Oh, nicht schlecht, aber dachte das Schäfchen wirklich, dass so ein durchschaubarer Trick funktionieren würde? Haha!“ Und wie es funktioniert hat! Der Mann steht dir nun rechts des Raumes gegenüber und somit hat sich links von dir eine Lücke aufgetan, die geradewegs zur Holztreppe und dem damit verbunden Ausgang des Kellerraumes führt. Und du würdest dafür sorgen, dass dieser furchtbare Mensch sich noch weiter von der Tür entfernt und dem Mädchen bei der Flucht nicht zu Nahe kommt. Du gibst ihr einen kräftigen Schubs nach vorne und stürmst dann auf den Mörder zu. Deine schrille, zittrige, aber auffordernde Stimme hallt von den Wänden des Raumes wider. „Der Weg ist frei, lauf! Lauf!“ Unter Einsatz deines gesamten Körpergewichts springst du auf den Mann in Wolfsmaske zu und stürzt mit ihm zu Boden. Damit hat er wohl nicht so ganz gerechnet. Wild um dich schlagend eröffnest du eine gnadenlose Rangelei, ein Kampf auf Leben oder Tod, als du in deinen Augenwinkeln etwas rosafarbenes die Treppe hochhuschen siehst. Das Mädchen flieht tatsächlich! Brave Kleine… Scheinbar kurz durch das Gesehene abgelenkt, passt du einen Moment lang nicht auf und kannst die Hand des Mörders nicht abwehren, welche nun seitlich auf deinen Hals zusteuert. Sie prallt mit voller Wucht auf, aber zu dem erwarteten dumpfen Schmerz eines Faustschlages spürst du zusätzlich einen spitzen Gegenstand deine Haut durchbohren. Angewidert und entsetzt von dem unangenehmen Gefühl gelingt es dir die Hand deines Gegenübers von deinem Hals wegzureißen. Dabei rutscht ihm ein kleiner, länglicher Gegenstand zwischen den Fingern hervor, welcher ein paar Fußlängen von dir entfernt vor dir auf dem Boden landet und beim Aufprall in viele kleine Scherben zerspringt. Du meinst erkannt zu haben, dass es sich um eine Spritze gehandelt hat. W-wie? Du bist verwirrt, aber kannst dir keine weitere Ablenkung erlauben und fokussierst dich wieder auf den Mörder. Doch schon nach wenigen Sekunden merkst du, dass etwas nicht stimmt. Dein Körper kommt dir immer kraftloser vor und es fällt dir schwer, deine Beine zu bewegen. Kurze Zeit später verlierst du die Kontrolle über deinen gesamten Unterleib und deine Arme lassen sich kaum noch anheben. Der Mann in Wolfsmaske lacht amüsiert und du schaffst es nicht mehr ihn davon abzuhalten, dich von sich wegzuschubsen. Nein, ich muss ihn hinhalten! Ich muss dem Mädchen Zeit verschaffen, um zu fliehen! Der Mörder steht auf und verpasst dir einen Tritt in den Bauch. Unter Schmerzen stöhnst du auf und willst dich ebenfalls aufraffen, um ihn erneut zu Boden zu bringen, aber dein Körper gehorcht dir nicht. Selbst dein Versuch nach seinem Hosenbein zu greifen, gelingt dir nicht mehr. Du kannst dich nicht mehr bewegen, kein Bisschen. Was… passiert mit mir?! Der Mann in Wolfsmaske wendet sich von dir ab, hebt eine Hand und geht auf die kleine Holztreppe zu. „Ach, es ist immer wieder erstaunlich mitanzusehen, wie schnell dieses Serum doch wirkt… Hoffentlich ist mein anderes Schäfchen jetzt in der Zwischenzeit nicht ausgebüxt.“ N-nein! Bleib… stehen…! Doch du hörst die Worte lediglich in deinem Kopf, aus deinem unbeweglichen Mund dringt kein Ton. Dann verschwimmt deine Sicht und du kämpfst aus heiterem Himmel mit einer überwältigenden Müdigkeit. Sekunden später schaffst du es nicht mehr dich dieser zu widersetzen. Du siehst nur noch die Silhouette des Mannes mit Maske durch die Tür in den Nebenraum gehen, bevor alles um dich herum schwarz wird und du das Bewusstsein verlierst.
Langsam kommst du wieder zu dir und öffnest die Augen. Ein paar Mal musst du blinzeln, damit deine Sicht klar wird. Als du vergebens versuchst den Kopf zu heben, merkst du, dass du nach wie vor wie gelähmt bist. Keinen Muskel kannst du bewegen. Das Serum, das dir der Mörder injiziert hat, scheint also noch stark zu wirken. Ob es überhaupt je abklingen wird, ist ungewiss. Was, wenn es permanent wäre und du nie wieder laufen könntest? Ha… egal… ich werde die Nacht eh nicht überleben… Du analysierst dein Blickfeld. Dein Kopf liegt auf deiner Brust auf und so kannst du nur an dir herabsehen. Du scheinst zu sitzen, vermutlich auf demselben Stuhl, von dem du dich vorhin befreien konntest, siehst deine Arme regungslos an deinem Körper herabhängen und befindest dich der Helligkeit des Raumes und dem Geruch von Blut nach zu urteilen, noch immer in dem Kellerraum.
Dann vernimmst du Schritte. Deine Ohren verraten dir, dass die Quelle des Geräuschs sich direkt vor dir befindet und näherkommt. In deinem Sichtfeld tauchen dunkelrot befleckte, schwarze Schuhe auf, die unmittelbar vor dir zum Stehen kommen. Ohne Zweifel gehören sie dem Mann mit Wolfsmaske. „Guten Morgen… Hat das kleine Schäfchen ein schönes Nickerchen gehabt? Ein bisschen Energie getankt? Sehr gut! Denn die wirst du brauchen… Wegen dir ungezogenem Schäfchen, ist es dem anderen Schäfchen tatsächlich gelungen, zu entwischen. Nun kann es nicht mehr an unseren spaßigen Spielchen teilnehmen. Schämen solltest du dich! Anderen nichts gönnen und alles für dich selbst beanspruchen… Tz tz tz… Aber diese schlechten Eigenschaften werde ich dir ganz schnell austreiben…“ Was für ein kranker Mensch! Schäfchen? Spielchen?! Ich… würde einen schnellen Tod bevorzugen… Verdammt… Auch wenn du bereits mit deinem Leben abgeschlossen hast, schießen dir erneut Tränen in die Augen und die Panik kriecht wieder in dir hoch. Sie steht dir wohl nun wirklich bevor. Die Folter, vor der du dich so fürchtest. Was sonst würde ein Psychopath, der Leute ermordet und sie in Stücke zerteilt mit ‚Spielchen‘ wohl sonst meinen? Aber es gibt nichts, was du tun könntest, um den Fängen des Mörders zu entkommen. Egal, wie sehr du es versuchst, du kannst dich einfach nicht bewegen. Du bist dem Mann in Wolfsmaske hilflos ausgeliefert und dein Schicksal liegt allein in seinen Händen.
Der Mann kommt weiter auf dich zu und beugt sich zu dir herab. Du fühlst seinen warmen Atem ganz nah an deinem Ohr und vernimmst seine flüsternden Worte. „Weißt du, was das Tolle an diesem Serum ist? Es lähmt zwar einen Großteil deiner Muskeln, aber hat keinerlei Einfluss auf dein Körperempfinden. Das bedeutet, du kannst nach wie vor alles spüren, was mit deinem Körper so passiert. Hehe…“ Ein kalter Schauer läuft dir den Rücken hinab, während sich deine Atmung drastisch verschnellert. Der Mann greift sanft nach deiner linken Hand, hebt sie an und beginnt vorsichtig mit deinen Fingern zu spielen, natürlich in deinem Blickfeld. Die Tränen in deinen Augen lösen sich und kullern deine Wangen hinab, dein Herzschlag wird immer schneller und du brichst in Angstschweiß aus. Eine ganze Weile bewegt der Mörder amüsiert jeden deiner Finger einzeln und deine Anspannung steigt ins Unerträgliche. Dann plötzlich und ohne Vorwarnung biegt er deinen Zeigefinger ruckartig nach oben, bis der Nagel davon deinen Handrücken berührt. Deine Augen weiten sich unter dem enormen Schmerz, aber dein Körper vermag es nicht einmal zusammenzuzucken und anstelle von Schreien bringst du nur ein leises Stöhnen hervor. Der Mörder hat dir die Wahrheit gesagt. Trotz deiner Lähmung kannst du seltsamerweise noch Schmerzen empfinden. Warum… Scheinbar belustigt von deinen Schmerzen beginnt der Mann in Maske zu summen und nimmt deinen Ringfinger in die Hände. N-nein… Aufhören… Bitte… Mit einer weiteren ruckartigen Bewegung knickt er die obere Hälfte deines Fingers zur Seite, bis sie die untere davon berührt. Du spürst neben dem immensen Schmerz zusätzlich, wie dein Fingerknochen sich verschiebt und sich nicht mehr in der gewohnten Position befindet. Der Mörder lacht leise und macht sich dann an die restlichen Finger. Einen nach dem anderen bricht er sie dir. Du möchtest schreien, dich wehren, aber es ist dir nicht möglich. Alles, was dir übrig bleibt, ist still und leise sämtliche Schmerzen, die er dir zufügt, hinzunehmen. Du hast keine Wahl.
Als der Mörder damit fertig ist, all deine fünf Finger der linken Hand in unnatürliche Positionen zu bringen, lässt er deinen Arm fallen und verschwindet aus deinem Blickwinkel. Der olivfarbene Lumpen, in den du gekleidet bist, ist mittlerweile an deiner Brust durch deine vielen Tränen komplett durchnässt. Nach ein paar Sekunden qualvoller Anspannung kehrt der Mann zurück in dein Sichtfeld und du siehst, dass er ein Skalpell in seiner Hand hält. Was hat er damit nun vor? In unvorstellbarer Angst vor weiteren Schmerzen verfolgst du mit deinen Augen, wie er den bedrohlichen Gegenstand an deinem Gesicht vorbei bewegt. Dann spürst du die kalte, scharfe Klinge an deinem rechten Ohr, welches der Mörder nun zudem von deinem Kopf wegzieht. „Das hier… brauchst du doch bestimmt nicht mehr… Haha…“ Dir stockt der Atem. Bitte nicht! Als wäre es das normalste der Welt drückt der Mann in Wolfsmaske ruckartig das Skalpell nach unten und trennt dein gesamtes Ohr mit einem einzigen Schnitt von deinem Körper ab. Der brennende, stechende Schmerz, den dies verursacht, zwingt dich dazu deine Augen zuzukneifen. Du spürst, wie sich warmes Blut aus der frischen Wunde über deinen Hals und deine Schulter ausbreitet. Oh, warum kann er mich nicht einfach schnell töten?! Warum?! Warum muss ich so leiden, was hab ich denn böses verbrochen in meinem Leben, dass ich so etwas durchmachen muss?! Stolz präsentiert dir der Mörder dein abgetrenntes Ohr, als du deine Augen wieder öffnest, und lässt es dann zu Boden fallen, kniet sich vor dir nieder. „Ah… ja, genau… Augen! Da reicht dir bestimmt auch eines, nicht wahr?“ W-was?! Um Himmels Willen, bitte, nein! Ich… Wie… Was… Ich… kann es nicht verhindern… Auf... hören… „Ach, herrlich! Was für ein fügsames und einsichtiges Schäfchen du doch bist, dass du mir nie widersprichst! So ist es fein…“ Amüsiert über dein Leiden macht sich der Mann auch noch über dich lustig, als er das Skalpell auf dem Boden ablegt und beide seiner Hände auf dein rechtes Auge zubewegt. Du presst deine Augen zu, aber wenig später wird dein Augenlied von seinen Fingern hochgezogen. Dann spürst du Druck oberhalb und unterhalb der Pupille, der im nächsten Moment unerträglich stärker wird. Dein Auge wird schmerzhaft nach innen gezwungen, wo es von den Fingers des Psychopathen umfasst wird und mit einer schnellen, ruckartigen Bewegung aus der Augenhöhle herausgerissen wird. Ein verstörendes, schreckliches Gefühl macht sich in dir breit, als du aus dem Blickwinkel des einen Auges die Rückseite deines anderes Auges sehen kannst. Nein! N-nein das… das… das ist falsch, so… stimmt das nicht… Es… es muss… es… darf nicht so… heraushängen… Es gehört… in meinen Kopf… Das unnatürliche, neue Körpergefühl lässt dich beinahe den Verstand verlieren.
Plötzlich macht dich ein stechender Schmerz und ein vollkommenes einseitiges Erblinden darauf aufmerksam, dass das Auge nun ebenfalls von deinem Körper getrennt wurde. Keine Sekunde später hörst du, wie das Skalpell, das wohl für das Separieren genutzt wurde, klirrend zu Boden fällt und dein Kopf wird von den Händen des Mörders fest gepackt. Er hebt ihn an und kommt deinem Gesicht sehr nah. Du kannst jetzt seine gruselig bemalte Wolfsmaske unmittelbar vor dir sehen. „Ha, das macht Spaß, nicht wahr?! So etwas erlebst du nicht alle Tage, was? Und wie kooperativ mein Schäfchen doch ist! Meistens muss ich meine Schäfchen erst zu ihrem Glück zwingen… Hm… Was hältst du davon, wenn du dir das nächste Spiel selbst aussuchst? Ich gebe dir zwei Auswahlmöglichkeiten. Einmal blinzeln bedeutet, dass du dich für die erste Antwortmöglichkeit entscheidest. Mit zweimal Blinzeln wählst du die zweite. Also… passend zu Halloween… was hätte mein Schäfchen denn lieber?“
