Archdorf Route 4 - Ihr helfen
Trotz deiner Angst beschließt du ihr zu helfen. Du kannst sie einfach nicht hier lassen. Sie erinnert dich an deine eigenen Kinder und die Vorstellung, dass eines deiner geliebten Nachkömmlinge einem derart grausamen Erlebnis ausgesetzt sein würde ist für dich so furchtbar, dass du deine Emotionen in diesem Moment nicht deuten oder gar verarbeiten kannst. Du vermutest eine Mischung aus Angst, Verzweiflung, Hass und Trauer. Die Sorge, die die Eltern dieses Mädchen im Augenblick fühlen müssen, kannst du gut nachvollziehen und du hoffst inständig, dass du niemals am eigenen Leib erleben musst, wie eines deiner Kinder von einem Mörder entführt wird. Dein Beschützerinstinkt ist geweckt.
Du näherst dich der jungen Frau im rosafarbenen Nachthemd und stellst fest, dass ihre Hände hinter ihrem Rücken gefesselt zu sein schienen. Verdammt… das auch noch… Jede Minute, die wir länger hier sind, bringt uns mehr in Gefahr… Unter dem soeben erhöhten Zeitdruck bewegst du dich schneller und zielstrebiger auf das Mädchen zu. Du bist nur noch drei Schritte von ihr entfernt als sich ihre Atmung immer mehr beschleunigt und sich ihr leises Schluchzen in ein ängstliches, panisches Wimmern wandelt, dessen Lautstärke sich drastisch erhöht, sowie du einen erneuten Schritt auf sie zumachst. Wie angewurzelt bleibst du stehen, sobald dein Fuß auf dem Boden angekommen ist. Sie beginnt heftig atmend zu weinen und versucht zu schreien, aber ihre Stimme wird durch einen Stofffetzen, mit dem sie geknebelt ist, gedämpft. Deine Augen weiten sich und deine eigene Panik steigert sich nun ebenfalls wieder. Je mehr Geräusche aus diesem Raum dringen, desto eher wird der Mörder nachsehen, woher der Tumult kommt. Oh nein, gar nicht gut… Sie denkt vermutlich, ich sei derjenige, der sie gefesselt hat und ihr wer weiß was angetan hat… Sie sieht mich ja nicht… Ich muss sie unbedingt irgendwie beruhigen.
. „Pssscht! Es ist alles in Ordnung, ich möchte dir helfen! Ich werde dir kein Leid zufügen, aber du musst bitte unbedingt leise sein… Ich will dir ja nicht noch mehr Angst machen und ich wünschte ich könnte sagen, dass alles gut wird, aber wenn du versuchst zu schreien könnte es unser Entführer hören und dann kommt er bestimmt hierher, um nachzusehen! Ich will dich nur befreien und dann gemeinsam mit dir einen Weg zur Flucht suchen… Ich verspreche ich tue dir nicht weh…“ Trotz der Panik scheint das Mädchen zu verstehen. Heftig zitternd und nun leise weinend unterlässt sie das Schreien und bemüht sich auch ihr Schluchzen zu unterdrücken. In ihrer misslichen Lage hat sie keine andere Option als dir ihr Vertrauen zu schenken. Bevor du dich weiter auf sie zubewegst, flüsterst du ihr zu, was deine nächsten Schritte sind. „Braves Mädchen… Wir kommen hier irgendwie raus, in Ordnung? Ich… werde jetzt zu dir kommen und dir die Augenbinde abmachen, dann siehst du mich schon mal…“ Vorsichtig machst du einen weiteren Schritt auf das junge Opfer zu und zu deiner Erleichterung bleibt es stumm. Du atmest tief durch und machst noch einen Schritt und stehst nun direkt vor dem armen Mädchen. Dein Blick fällt auf ihre Wunden an Armen und Oberschenkeln und du erkennst saubere, tiefe Schnitte. An manchen Stellen scheint das Blut schon zu trocknen, aber im blassen Schein der Chromalampe kannst du noch viele glänzende Stellen erspähen, die darauf schließen lassen, dass nach wie vor Blut hervorquellt. Die dunkelrote Flüssigkeit hat einen Großteil ihrer Arme und Beine bedeckt und lässt sie in einer Lake aus rotem Lebenssaft sitzen. Das rosa Nachtgewand hat sich bereits an vielen Bereichen damit vollgesogen. Du gehst in die Hocke und musterst ihren Kopf. Ihr blasses Gesicht scheint geschwollen zu sein, viele Flecken verschiedener Größen und Farben, die von sämtlichen Rot-Tönen bis hin zu einem leichtem Lila reichen, bedecken es. Aus ihrer Nase zieht sich eine Blutspur bis zu dem Stofffetzen in ihrem Mund, wo sich das dunkle Rot ausgebreitet hat. An ein paar Stellen ist ihre Haut aufgeplatzt. Ihr Haar ist braun, reicht ihr bis zu den Ellenbogen und ist in manchen Bereichen blutverklebt, es wirkt an sich gepflegt und seidig, steht allerdings wild in alle Richtungen vom Kopf ab, ist zerzaust. Am Hals erkennt man deutliche rote Würgemale. Zutiefst bestürzt seufzt du und legst die Axt neben das Mädchen auf den Boden. Arme Kleine… „Ich bin jetzt vor dir… Nicht erschrecken, ich greife dir jetzt an den Kopf und löse das Tuch um deine Augen…“ Vorsichtig hebst du deine Hände und legst sie sanft um den Kopf des Mädchens, welches unter deiner Berührung stark zusammenzuckt und wieder stärker zu weinen beginnt. Sie scheint sich zu zwingen dennoch so leise wie möglich zu sein. Du streifst mit deinen Händen an dem Augentuch entlang bis du zu einem festen Knoten an ihrem Hinterkopf gelangst. In dem Versuch selbst ruhig zu bleiben knibbelst du an dem Knoten herum, aber deine Finger zittern zu stark. „Ich krieg die Augenbinde so nicht ab… Ich werde sie mit der Axt durchschneiden. Keine Sorge, ich werde dir nicht weh tun. Bitte bleib ruhig…“ Das Mädchen senkt nur den Kopf. Du ergreifst wieder die Axt und fasst mit einer Hand unter den Stofffetzen, der um die Augen des jungen Opfers gewickelt ist und versuchst vorsichtig ihn etwas vom Kopf weg zu heben. Zusätzlich würdest du so eher in deine eigene Hand schneiden als das Mädchen zu verletzen. Du beginnst die scharfe Klinge gegen die Stoffbinde zu wetzen, schneidest dich dabei selbst, aber schon nach kurzer Zeit fällt die Augenbinde auch vom Kopf der jungen Frau. Ihre haselnussbraunen Augen sind geschwollen und rot vom Weinen und ihr Blick ist starr nach vorne gerichtet, als würde sie durch deinen Oberkörper hindurchschauen. Du erkennst einen Ausdruck von blankem Horror.
Dein Herz ist schwer und das Schicksal des Mädchens bereitet dir ein bedrückendes, stechendes Gefühl, welches du selbst in deiner Angst vernehmen kannst. „Na also… Jetzt siehst du wieder was… Das ist schon mal geschafft. Ich werde jetzt deinen Mund und deine Hände freimachen, halt bitte still…“ Im Handumdrehen befreist du sie von den weiteren Fesseln. Sie reibt sich leise schluchzend und vorsichtig die aufgeriebenen Handgelenke, frische Tränen kullern dabei ihr geschwollenes Gesicht herab. Voller Mitleid betrachtest du sie, den Zeitdruck dabei immer im Hinterkopf behaltend. Aber sie scheint schwer unter Schock zu stehen, ihr Blick ist immer noch starr, sie zittert, hat dich noch kein einziges Mal angeschaut und du bist dir nicht mal sicher, ob sie versteht was du zu ihr sprichst und ob sie überhaupt aufstehen kann. Dir ist bewusst, dass sie schwer traumatisiert ist, aber wenn du mit ihr fliehen willst, muss sie etwas aus ihrem geistesabwesenden Zustand erwachen. Du legst deine Hände behutsam seitlich um ihr geschwollenes Gesicht und beschließt mit ihr zu reden, in dem Versuch ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. „Hey, Mädchen… es… es tut mir furchtbar leid, was du durchmachen musst… Diese Wunden müssen sehr schmerzhaft sein… Was ist passiert? Wie bist du überhaupt hierhergekommen?“ Keine Reaktion. Ein paar Sekunden verharrst du mit mitleidigem Blick auf das Mädchen in deiner Position, beginnst schon verzweifelt zu überlegen, wie du sie in diesem Zustand zur Flucht bewegen sollst, da lösen sich ihre Augen langsam aus der Starre bis sich eure Blicke treffen. Sie öffnet zaghaft den Mund, zittert aber so stark, dass sie diesen immer wieder versehentlich schließt und bringt erst nach einigen Augenblicken ein paar stotternde Worte heraus. „I-i-ich… Ich… E-er… H-ha… Ngh…“ Sie kneift die Augen zu und bemüht sich tief durchzuatmen, aber es gelingt ihr nicht. Die Augen wieder öffnend versucht sie erneut zu sprechen. „I-ich… war daheim… Ich… wollte… schlafen… I-ich… h-habe die… Kerzen im Wohnzimmer… ausgemacht… a-a-aber… dann hat es… an der Tür geklopft… Leise… Ich… hab es fast nicht gehört… Aber i-ich habe nachgesehen. Habe die Tür… aufgemacht… Da war keiner… nur ein… kleines Paket… auf dem Boden… I-ich war neugierig… bin rausgegangen… und wollte… e-es aufheben… Da… plötzlich… wurde ich… von hinten umgriffen… eine Hand… auf meinem Mund… Ich… konnte nicht schreien… Es roch süßlich… und dann… wurde alles schwarz… Aufgewacht bin ich hier… u-und… er… ER… E-ER!“ Das Mädchen muss eine Pause machen und hat einen regelrechten Zitter-Anfall. Sie atmet heftig und Tränen strömen über ihre Wangen, deine Finger entlang.
Du spürst wie dir ein kalter Schauer den Rücken hinabläuft und merkst, wie dir selbst die Tränenflüssigkeit in die Augen steigt beim Anblick dieses gebrochenen Mädchens. Sie schluchzt und spricht weiter. „E-er… hat… mich geschlagen… und gefesselt… und… und… er… er hat… mich geschnitten… g-ganz… langsam… e-e-es… es brennt… es… tut weh… und… d-dann…“ Sie schluckt. „D-dann… e-er… er… zog… sich die… Hose… runter… I-ich… E-er… er hat… Er kam… näher… er war so stark… Ich konnte mich nicht wehren! I-ch… W-warum… Ich… Ich will das nicht… Was… hat er getan… N-Nein! I-i-ich fühle… ihn an mir… Ich…“ Du unterbrichst das weinende Mädchen und nimmst sie in den Arm. Du kannst nicht in Worte fassen, was du empfindest, dein Entsetzen ist zu groß. Was für ein abartiges Stück Dreck…
Einige Momente verstreichen, während ihr in dieser Position verharrt. Dann rückt die brenzlige, aktuelle Situation wieder in den Vordergrund und du löst dich von dem Mädchen. Du erhebst dich aus der Hocke und reichst ihr deine Hand. „Kannst du aufstehen?“ Zaghaft nickt sie und greift nach deiner Hand. Zumindest hattest du Erfolg sie aus ihrer Trance zu holen, auch wenn sie dafür den schmerzlichen Preis der grausamen Erinnerung zahlen muss. Solltet ihr das hier lebend überstehen, so wäre sie dennoch für ihr ganzes restliches Leben gebrandmarkt. Und doch willst du ihr jetzt erst recht zur Flucht verhelfen. Du weißt nicht, wie viel Zeit du mittlerweile dem Mädchen gewidmet hast, aber bist froh, dass dein Entführer noch nicht aufgetaucht ist. Allerdings ist es nun allerhöchste Zeit sich einen Fluchtplan zu überlegen.
Die junge Frau umgreift deine Hand und du ziehst sie hoch. Sie scheint sehr schwach zu sein, denn ihre Beine knicken kurz weg und hättest du sie nicht aufgefangen wäre sie wieder hingefallen. Mit größter Mühe schafft sie es unsicher und stark zitternd auf ihren eigenen Füßen zu stehen und du kannst sie loslassen. „Wir müssen hier irgendwie raus… Hier muss es irgendwas geben, womit wir diese Tür da vorne aufbekommen.“ Das Mädchen greift sich mit ihrer Hand an den Arm und lässt den Blick durch den Raum wandern. Du tust es ihr gleich. Keine zwei Sekunden verstreichen, da hörst du ein dumpfes, stetig lauter werdendes Geräusch. Es kommt von der anderen Seite der Türe. Schockiert fixierst du deine Augen in die Richtung, aus der das Geräusch kommt. Schritte! Jemand kommt… Das ist bestimmt… V-verdammt! Ohne Zeit zu verschwenden, löst du dich aus deiner Schockstarre und hastest an dem Mädchen vorbei, welches langsam zurückweicht und wieder stärker zu weinen beginnt. Du hebst die Axt auf, die neben der Stelle, an der das Mädchen gefesselt war, ist und die du vorhin in deinem Entsetzen über die Gräueltaten deines Entführers hast hier liegen lassen. Deine Angst gleich auf diesen Schandtäter zu treffen, der vor keiner grausamen Tat zurückzuschrecken scheint, übermannt dich und du beginnst stark zu zittern, während du dich vor das Mädchen begibst und die Axt fest mit beiden Händen umgreifst, den Blick auf die Holztür gerichtet.
Einige Sekunden nicht auszuhaltender Anspannung vergehen, bevor du hörst, wie ein Schlüssel in das Schloss eingeführt wird und ein metallenes Klacken die Öffnung der Tür bekannt gibt. Diese wird einen Spalt weit geöffnet und hindurch blickt jemand mit einer gruselig bemalten Wolfsmaske, die sein Gesicht verdeckt. Eine männliche, amüsierte Stimme tönt unter der Maske hervor. „Oh, also habe ich richtig gehört. Meine beiden Schäfchen scheinen sich befreit zu haben… Nun, ich wollte euch nun ohnehin meine vollste Aufmerksamkeit widmen, aber nun… werde ich mein bisheriges Vorhaben ein lustiges Spiel mit euch zu spielen ändern. Denn wie ihr bestimmt wisst, müssen böse Schäfchen bestraft werden. Oh, aber keine Sorge. Bei der Bestrafung handelt es sich auch um ein Spiel. Ich nenne es gerne ‚Bestrafungsspiel‘. Wir werden also eine amüsante Zeit zusammen haben, voller bleibender Erinnerungen und Spaß!“ Du weichst einen Schritt zurück als die Tür komplett aufgedrückt wird und ein männlicher Körper gekleidet in einen mit Blutspritzern versehenen schwarzen Anzug als Körper zu dem Gesicht hinter der Wolfsmaske zum Vorschein kommt. W-was zur Hölle?! Was… ist das für ein Psychopath… was für ein krankes Spiel ist das?! Dies ist also scheinbar dein Entführer und vermutlich der Mörder der Menschen in diesem Raum und somit auch derjenige, der dem Mädchen hinter dir so viel Schaden zugefügt hat. Du fühlst dich in deinem Verdacht bestätigt als die junge Frau hinter dir mit hysterischen Schreien zusammenbricht als der Mann im Anzug die kleine Treppe bei der Tür hinabschreitet und auf euch zukommt. Er reibt sich die Hände und gibt ein immer lauter werdendes böses Lachen von sich. In deiner immer stärker zunehmenden Panik fällt es dir schwer zu überlegen, was du nun tun sollst. Viele Möglichkeiten hast du nicht und die Situation scheint ausweglos. Aber irgendetwas muss dir einfallen, du wirst nicht einfach still stehen bleiben und das Schicksal akzeptieren, welches dieser Mörder für dich geplant hat. Du hast panische Angst vor diesem Mann. Es ist, als stündest du dem Tod in Person gegenüber. Dir bricht der Schweiß aus und du spürst, dass dir keine Zeit mehr zum Nachdenken bleibt. Du musst dich jetzt entscheiden!
