Archdorf Route 1.2 - Ihm kein Geld geben

             Du beschließt ihm kein Geld zu geben. Du hast selbst kaum genug für dich und deine Familie und denkst auch, dass es nicht deine Aufgabe ist, dich hier um die Leute auf der Straße zu kümmern. Zudem kommt dir der Obdachlose etwas verdächtig vor und du hast das Gefühl, dass dein Geld in seinen Händen nur dem Handel von Drogen dient. Ein bisschen Mitleid verspürst du dennoch für den Mann, dessen Leben scheinbar absolut nicht gut verläuft als du deine Hand hebst. Du gibst ihm damit zu verstehen, dass du nicht daran interessiert bist dein Geld mit ihm zu teilen und möchtest gerade weitergehen, doch plötzlich greift der Bettler nach deinem Ärmel und hält dich davon ab. Du versuchst dich loszureißen, da umgreift dich der Bettler von hinten mit einem Arm und hält dir einen spitzen Gegenstand an den Hals. Deine Augen wandern zu seiner Hand und du siehst, dass es sich um ein Messer handelt. Du beginnst zu schwitzen und bekommst es mit der Angst zu tun, als dir bewusst wird, dass dein Leben hier auf dem Spiel stehen könnte. Dennoch versuchst du einen kühlen Kopf zu bewahren und irgendwie unverletzt aus dieser misslichen Lage hervorzugehen. Langsam hebst du die Arme und bedeutest dem Mann somit, dass du dich nicht wehren wirst. Du warst noch nie gut im Kämpfen, hast in Schlägereien in deiner Jugend immer den Kürzeren gezogen und deine Reflexe lassen zu wünschen übrig. Selbst wenn du dem Bettler mit deinem Ellbogen in den Magen kickst, so könntest du nicht darauf vertrauen, dass er ohne zuzustechen zu Boden sinkt. Du spürst den warmen, stinkenden Atem des Obdachlosen in deinem Nacken, als er dich auffordert ihm dein ganzes Geld zu geben. „Mach schon!“. Vorsichtig senkst du einen deiner Arme und kramst aus deiner Manteltasche deinen Geldbeutel heraus. Sowie er ihn sieht schnappt ihn dir der Mann aus der Hand und schubst dich kraftvoll nach vorne. Du verlierst das Gleichgewicht von dem überraschenden Manöver und fällst hin. „Na also, geht doch, hast noch mal Glück gehabt!“ Dein Räuber lacht, bevor er sich umdreht und wegrennt, vom Humpeln keine Spur mehr. Du schaust ihm kurz perplex nach, vom Überfall paralysiert, bevor du wieder zu deinen Sinnen kommst und dich aufraffst. Du überlegst kurz, was du nun tun sollst, dir wird aber schnell bewusst, dass du es dir nicht leisten kannst das Geld zu verlieren und du rennst dem Übeltäter nach in die überdachte Gasse. Von seinem ‚Kumpel‘ keine Spur. Während des Laufens stellst du fest, dass du nur eine kleine Schnittwunde am Hals hast, die kaum blutet. Du wirst wütend und zückst deinen Dolch, so wurdest du tatsächlich gerade erneut ausgeraubt. Du weißt zwar nicht wie du es anstellen sollst, aber du musst dein Geld von dem Mann zurück bekommen, sonst leidet deine Familie an Hunger und deine ganze Reise nach Archdorf wäre umsonst gewesen. Du hoffst einfach, dass du dich in einem unachtsamen Moment an den Täter heranschleichen und ihn überwältigen kannst oder dass du zumindest seinen Aufenthaltsort herausfindest, damit du Ritter zur Hilfe holen kannst. Egal wie, du brauchst deine Kohle zurück.

             Du läufst heftig atmend durch die dunkle Gasse, du siehst keine einzige Chromastraßenlaterne und fragst dich wie der Mann es schafft so schnell ohne zu stolpern durch die Dunkelheit zu sprinten. Der Mistkerl hat das bestimmt schon häufiger gemacht… Du bist froh, dass der Chromaschein deiner Laterne dich begleitet und dir den Weg erhellt. Nach einer Weile der Verfolgungsjagd weißt du gar nicht mehr, wo du bist, so viele Abzweigungen hast du genommen und den Mann kannst du schon lange nicht mehr erkennen. Dir geht langsam der Atem aus und als du seine Fußstapfen nicht mehr vernehmen kannst bleibst du nach Luft keuchend an einer Kreuzung stehen. Verdammt… Du scheinst ihn verloren zu haben. Der Regen mischt sich mit deinem Schweiß und perlt dein Gesicht herab. Verzweifelt schaust du nach vorne in die Richtung, aus der du zuletzt das Geräusch seiner Fußstapfen gehört hast und beschließt einfach weiter zu laufen, hoffend ihn dennoch irgendwie ausfindig zu machen. Dir fällt auf, dass du so fokussiert auf deinen Räuber bist, dass du alles andere völlig ausblendest. Gefährlich in Archdorf – du erinnerst dich daran, dass du wachsam sein musst. Gerade als du weiterlaufen möchtest schreckst du überrascht hoch. Du hörst Schritte hinter dir, gefolgt von einem dumpfen Schlag auf deinen Kopf, der dir stechende Schmerzen bereitet, bevor du zusammensinkst und dir schwarz vor Augen wird. Damn… You seem to have lost him. The rain mixes with your sweat and beads down your face. Desperately you look ahead from the direction where you last heard the sound of his footsteps and decide to just keep walking, hoping to find him somehow. You notice that you are so focused on your predator that you completely block out everything else. Dangerous in Archdorf – you remind yourself to be alert. Just as you are about to walk on, you startle. You hear footsteps behind you, followed by a thud on your head that causes you stabbing pain before you collapse and black out.

             Langsam kommst du wieder zu dir. Benommen öffnest du die Augen, aber deine Sicht ist zu verschwommen, um etwas zu erkennen. Dann fühlst du wie ein pochendes Stechen an deinem Kopf beginnt in den Vordergrund zu treten und du presst deine Augen unter dem fiesen Schmerz fest zu. Ein sehr hohes Geräusch klingt in deinen Ohren, du vernimmst einen beißenden Geruch, der dich Eisen schmecken lässt. Zudem bemerkst du, dass du frierst. Aber alles, was du tun kannst ist einen Moment zu warten und zu hoffen, dass sich dein Zustand bessert. Was ist passiert? Gerade als du dir an den Kopf fassen möchtest, bemerkst du, dass du deine Hände nicht bewegen kannst. Irgendetwas hält sie zurück. Du bewegst deine Schultern und versuchst sie loszumachen, aber als das nicht funktioniert, kommst du beunruhigt zu einer Schlussfolgerung. Bin ich… etwa gefesselt? Du blinzelst etwas, bis du langsam wieder klar sehen kannst und stellst fest, dass du in einem dunklen Raum bist, der nur von einer sehr schwach leuchtenden Chromalampe über dir erhellt wird. Der Schein ist so blass, dass er es nicht vermag, dich viel erkennen zu lassen. Du siehst an dir herab und bemerkst, dass du nur mit einem zerfetzten, olivgrünen Lumpen, der bis an deine Knie reicht, bekleidet bist. Das ist eindeutig nicht deine Kleidung, erklärt aber warum dir kalt ist. Du siehst einen dunklen Fleck auf dem Lumpen und da du auch einige klebrige Stellen in deinem Gesicht fühlst, schließt du darauf, dass es Blut von deiner Kopfwunde sein muss. Was dich allerdings mehr irritiert ist das Seil, das um deinen Körper gewickelt ist und dich an einem Stuhl festbindet, Hände nach hinten gebunden. Als du realisierst, dass du scheinbar gefangen gehalten wirst, fühlst du kalten Schweiß in dir aufsteigen und du bekommst ein sehr schlechtes Gefühl. Du erinnerst dich nur noch vage, bist dir aber sicher, dass du bis eben noch in der dunklen Gasse standest. Der Rest deiner Erinnerung an die letzten Stunden ist sehr verschwommen. Dir fällt wieder ein, dass du einen dumpfen Schlag auf den Kopf gefühlt hast, bevor du scheinbar ohnmächtig geworden bist. Du spürst die Angst in dir hochkriechen, zwingst dich aber ruhig zu bleiben. Kurz überlegst du nach Hilfe zu schreien, aber verwirfst den Gedanken direkt, da es auch deinen Entführer herbeirufen könnte. Du musst dich irgendwie befreien und hier raus.

             Du siehst dich so gut es geht um. Vor dir siehst du nur eine kleine Treppe mit einer Holztür am Ende – hoffentlich dein Ausgang. Rechts von dir erkennst du einen Tisch auf dem sämtliche Werkzeuge bereitgestellt sind, würdest aber in deiner misslichen Lage keines davon erreichen können. Also wendest du dich nach links und den Anblick, der sich dir erbietet wirst du dein Leben lang nicht vergessen. Auf dem Boden liegen in Blut getränkte Körperteile und ein großes Stück Fleisch hängt von der Decke des dunklen Raumes. Du kneifst deine Augen zu einem Schlitz zusammen und schaust genauer hin. Erschrocken weichst du zurück und bringst deinen Stuhl ins Wanken, als du erkennst, dass es sich um Körperteile von Menschen handelt. Hände, Arme, Beine, abgetrennte Finger, sogar Ohren und eine Zunge kannst du ausmachen. Du blickst an dem aufgehängten Stück Fleisch hoch und stellst eine erstaunliche Ähnlichkeit zu einem menschlichen Torso fest. Allerdings fehlt der Kopf. Du reißt deine Augen weit auf und willst schreien, aber kein Laut kommt aus deinem Munde. Der Schock verursacht bei dir Übelkeit und für einen kurzen Moment denkst du, du müsstest dich übergeben. Das war es also, was du die ganze Zeit über geschmeckt hast – Blut. Menschenblut.

             Du wendest dich ab, aber ein leises Stöhnen bringt dich dazu deinen Blick wieder in die Richtung der grausamen Szene zu richten. Hinter dem ausblutenden Menschenkörper erkennst du die Silhouette einer Person, die zusammengekauert an der Wand lehnt und zittert. Du zwingst dich erneut genauer hinzusehen und kannst neben einem weiteren, scheinbar leblosen Körper ein Mädchen in einem rosafarbenen Nachthemd erkennen, dessen Mund und Augen verbunden sind. Hin und wieder entkommt ihr ein Schluchzen, was dir sagt, dass sie weint. Du erkennst frische, tiefe Wunden an ihren Oberschenkeln und Armen und einige Platzwunden in ihrem Gesicht lassen darauf schließen, dass sie geschlagen wurde. Das arme Mädchen… Wer weiß, was sie bereits durchgemacht hat… Du empfindest Mitleid, aber bald schon rückt deine eigene Situation wieder in den Vordergrund. Du musst unbedingt hier weg, bevor der Mörder zurückkommt. Dass du noch lebst, die vielen abgetrennten Körperteile und die Werkzeuge am Tisch, die dich an Folterinstrumente erinnern, lassen auf nichts Gutes schließen. Warum hat dich der Mörder entführt und nicht direkt getötet? Du fragst dich das, während du aber eigentlich froh bist noch am Leben zu sein, auch wenn die Situation alles andere als rosig ist.Wenn ich nicht zusehe, dass ich hier rauskomme, ende ich vielleicht so wie dieser aufgehängte Fleischbrocken… Ein kalter Schauer läuft dir den Rücken herunter und du versuchst deine Angst zu unterdrücken, um klar denken zu können. Dann fällt dir ein Gegenstand auf, der im Kopf des toten Körper neben dem Mädchen steckt. Bei genauerem Betrachten erkennst du eine Axt. Sie könnte vielleicht deine einzige Chance sein dich zu befreien. Nur musst du erst mal an sie herankommen. Entschlossen kippst du mit dem Stuhl vor und zurück. Deine Beine sind zwar ebenfalls an dessen Beinen festgemacht, aber du denkst, dass du dich trotzdem irgendwie fortbewegen kannst, wenn du es schaffst aufzustehen. Du holst einmal viel Schwung nach vorne und schaffst es auf die Füße zu kommen. Beinahe hättest du dein Gleichgewicht in deiner geknickten Haltung verloren und wärst nach vorne hin umgefallen, schaffst es aber noch rechtzeitig dich auszubalancieren. Kleine Schritte machend und mit deiner Balance kämpfend tapst du auf Zehenspitzen auf den toten Körper zu. Auf dem Weg schwankst du hin und her und kommst gegen den hängenden, bluttriefenden Menschenkörper und spürst danach eine kalte, klebrige Flüssigkeit an deinem Arm den Lumpen durchtränken. Du schauderst, aber bemühst dich es zu ignorieren und gehst weiter. An der Leiche angekommen überlegst du wie du nun am besten an die Axt in Bodennähe kommen sollst und beschließt, wenn auch nur widerwillig, dich seitlich auf den Rücken des toten Körpers fallen zu lassen, sodass du mit deinen Händen das Werkzeug aus dem Kopf ziehen kannst. Du stellst dich also neben die Leiche, wendest dich dessen Beinen zu und lässt dich auf sie fallen. Dein Fall passiert lautlos und wurde durch den Verstorbenen abgefedert. Du hast wirklich Glück im Unglück – nicht nur, dass du hier eine scharfe Axt gefunden hast, sondern du bist auch noch genau so gefallen, wie geplant und kannst das Werkzeug ergreifen. Die Waffe, die zum Tod dieses Menschen geführt hat, könnte dich also befreien. Du rüttelst am Holzgriff und schaffst es nach einer Weile die Klinge aus dem Schädel zu puhlen. Mit viel Fingerspitzengefühl drehst du die Axt in deinen Händen um, sodass die scharfe Seite auf dich zeigt und du beginnst damit sie so gut es dir möglich ist auf und ab zu bewegen, um das Seil zu zerschneiden. Einige Male schneidest du dich aus Versehen daran und zuckst jedes Mal unter dem stechenden Schmerz zusammen.

             Einige Minuten später hast du es tatsächlich geschafft und dein Oberkörper ist befreit. Sowie das Seil fällt richtest du deine Arme nach vorne und reibst dir deine blutigen Hände. Doch für Schmerzempfinden ist jetzt keine Zeit und so machst du dich daran, diesmal geschickter, deine Beine loszuschneiden. Etwas erleichtert, dass du nun frei bist, stehst du auf und dir fällt wieder das weinende Mädchen ein. Jede Sekunde, die du länger hier bist, erhöht die Chancen, dass dein Entführer zurückkommt und wer weiß, was er dann mit dir macht. Du möchtest nicht sterben. Das Mädchen zu befreien würde einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber auf der anderen Seite empfindest du Mitleid und würdest sie ungerne hier ihrem Schicksal überlassen.Langsam kommst du wieder zu dir. Benommen öffnest du die Augen, aber deine Sicht ist zu verschwommen, um etwas zu erkennen. Dann fühlst du wie ein pochendes Stechen an deinem Kopf beginnt in den Vordergrund zu treten und du presst deine Augen unter dem fiesen Schmerz fest zu. Ein sehr hohes Geräusch klingt in deinen Ohren, du vernimmst einen beißenden Geruch, der dich Eisen schmecken lässt. Zudem bemerkst du, dass du frierst. Aber alles, was du tun kannst ist einen Moment zu warten und zu hoffen, dass sich dein Zustand bessert. Was ist passiert? Gerade als du dir an den Kopf fassen möchtest, bemerkst du, dass du deine Hände nicht bewegen kannst. Irgendetwas hält sie zurück. Du bewegst deine Schultern und versuchst sie loszumachen, aber als das nicht funktioniert, kommst du beunruhigt zu einer Schlussfolgerung. Bin ich… etwa gefesselt? Du blinzelst etwas, bis du langsam wieder klar sehen kannst und stellst fest, dass du in einem dunklen Raum bist, der nur von einer sehr schwach leuchtenden Chromalampe über dir erhellt wird. Der Schein ist so blass, dass er es nicht vermag, dich viel erkennen zu lassen. Du siehst an dir herab und bemerkst, dass du nur mit einem zerfetzten, olivgrünen Lumpen, der bis an deine Knie reicht, bekleidet bist. Das ist eindeutig nicht deine Kleidung, erklärt aber warum dir kalt ist. Du siehst einen dunklen Fleck auf dem Lumpen und da du auch einige klebrige Stellen in deinem Gesicht fühlst, schließt du darauf, dass es Blut von deiner Kopfwunde sein muss. Was dich allerdings mehr irritiert ist das Seil, das um deinen Körper gewickelt ist und dich an einem Stuhl festbindet, Hände nach hinten gebunden. Als du realisierst, dass du scheinbar gefangen gehalten wirst, fühlst du kalten Schweiß in dir aufsteigen und du bekommst ein sehr schlechtes Gefühl. Du erinnerst dich nur noch vage, bist dir aber sicher, dass du bis eben noch in der dunklen Gasse standest. Der Rest deiner Erinnerung an die letzten Stunden ist sehr verschwommen. Dir fällt wieder ein, dass du einen dumpfen Schlag auf den Kopf gefühlt hast, bevor du scheinbar ohnmächtig geworden bist. Du spürst die Angst in dir hochkriechen, zwingst dich aber ruhig zu bleiben. Kurz überlegst du nach Hilfe zu schreien, aber verwirfst den Gedanken direkt, da es auch deinen Entführer herbeirufen könnte. Du musst dich irgendwie befreien und hier raus.

Du siehst dich so gut es geht um. Vor dir siehst du nur eine kleine Treppe mit einer Holztür am Ende – hoffentlich dein Ausgang. Rechts von dir erkennst du einen Tisch auf dem sämtliche Werkzeuge bereitgestellt sind, würdest aber in deiner misslichen Lage keines davon erreichen können. Also wendest du dich nach links und den Anblick, der sich dir erbietet wirst du dein Leben lang nicht vergessen. Auf dem Boden liegen in Blut getränkte Körperteile und ein großes Stück Fleisch hängt von der Decke des dunklen Raumes. Du kneifst deine Augen zu einem Schlitz zusammen und schaust genauer hin. Erschrocken weichst du zurück und bringst deinen Stuhl ins Wanken, als du erkennst, dass es sich um Körperteile von Menschen handelt. Hände, Arme, Beine, abgetrennte Finger, sogar Ohren und eine Zunge kannst du ausmachen. Du blickst an dem aufgehängten Stück Fleisch hoch und stellst eine erstaunliche Ähnlichkeit zu einem menschlichen Torso fest. Allerdings fehlt der Kopf. Du reißt deine Augen weit auf und willst schreien, aber kein Laut kommt aus deinem Munde. Der Schock verursacht bei dir Übelkeit und für einen kurzen Moment denkst du, du müsstest dich übergeben. Das war es also, was du die ganze Zeit über geschmeckt hast – Blut. Menschenblut.

Du wendest dich ab, aber ein leises Stöhnen bringt dich dazu deinen Blick wieder in die Richtung der grausamen Szene zu richten. Hinter dem ausblutenden Menschenkörper erkennst du die Silhouette einer Person, die zusammengekauert an der Wand lehnt und zittert. Du zwingst dich erneut genauer hinzusehen und kannst neben einem weiteren, scheinbar leblosen Körper ein Mädchen in einem rosafarbenen Nachthemd erkennen, dessen Mund und Augen verbunden sind. Hin und wieder entkommt ihr ein Schluchzen, was dir sagt, dass sie weint. Du erkennst frische, tiefe Wunden an ihren Oberschenkeln und Armen und einige Platzwunden in ihrem Gesicht lassen darauf schließen, dass sie geschlagen wurde. Das arme Mädchen… Wer weiß, was sie bereits durchgemacht hat… Du empfindest Mitleid, aber bald schon rückt deine eigene Situation wieder in den Vordergrund. Du musst unbedingt hier weg, bevor der Mörder zurückkommt. Dass du noch lebst, die vielen abgetrennten Körperteile und die Werkzeuge am Tisch, die dich an Folterinstrumente erinnern, lassen auf nichts Gutes schließen. Warum hat dich der Mörder entführt und nicht direkt getötet? Du fragst dich das, während du aber eigentlich froh bist noch am Leben zu sein, auch wenn die Situation alles andere als rosig ist.Wenn ich nicht zusehe, dass ich hier rauskomme, ende ich vielleicht so wie dieser aufgehängte Fleischbrocken… Ein kalter Schauer läuft dir den Rücken herunter und du versuchst deine Angst zu unterdrücken, um klar denken zu können. Dann fällt dir ein Gegenstand auf, der im Kopf des toten Körper neben dem Mädchen steckt. Bei genauerem Betrachten erkennst du eine Axt. Sie könnte vielleicht deine einzige Chance sein dich zu befreien. Nur musst du erst mal an sie herankommen. Entschlossen kippst du mit dem Stuhl vor und zurück. Deine Beine sind zwar ebenfalls an dessen Beinen festgemacht, aber du denkst, dass du dich trotzdem irgendwie fortbewegen kannst, wenn du es schaffst aufzustehen. Du holst einmal viel Schwung nach vorne und schaffst es auf die Füße zu kommen. Beinahe hättest du dein Gleichgewicht in deiner geknickten Haltung verloren und wärst nach vorne hin umgefallen, schaffst es aber noch rechtzeitig dich auszubalancieren. Kleine Schritte machend und mit deiner Balance kämpfend tapst du auf Zehenspitzen auf den toten Körper zu. Auf dem Weg schwankst du hin und her und kommst gegen den hängenden, bluttriefenden Menschenkörper und spürst danach eine kalte, klebrige Flüssigkeit an deinem Arm den Lumpen durchtränken. Du schauderst, aber bemühst dich es zu ignorieren und gehst weiter. An der Leiche angekommen überlegst du wie du nun am besten an die Axt in Bodennähe kommen sollst und beschließt, wenn auch nur widerwillig, dich seitlich auf den Rücken des toten Körpers fallen zu lassen, sodass du mit deinen Händen das Werkzeug aus dem Kopf ziehen kannst. Du stellst dich also neben die Leiche, wendest dich dessen Beinen zu und lässt dich auf sie fallen. Dein Fall passiert lautlos und wurde durch den Verstorbenen abgefedert. Du hast wirklich Glück im Unglück – nicht nur, dass du hier eine scharfe Axt gefunden hast, sondern du bist auch noch genau so gefallen, wie geplant und kannst das Werkzeug ergreifen. Die Waffe, die zum Tod dieses Menschen geführt hat, könnte dich also befreien. Du rüttelst am Holzgriff und schaffst es nach einer Weile die Klinge aus dem Schädel zu puhlen. Mit viel Fingerspitzengefühl drehst du die Axt in deinen Händen um, sodass die scharfe Seite auf dich zeigt und du beginnst damit sie so gut es dir möglich ist auf und ab zu bewegen, um das Seil zu zerschneiden. Einige Male schneidest du dich aus Versehen daran und zuckst jedes Mal unter dem stechenden Schmerz zusammen.

Einige Minuten später hast du es tatsächlich geschafft und dein Oberkörper ist befreit. Sowie das Seil fällt richtest du deine Arme nach vorne und reibst dir deine blutigen Hände. Doch für Schmerzempfinden ist jetzt keine Zeit und so machst du dich daran, diesmal geschickter, deine Beine loszuschneiden. Etwas erleichtert, dass du nun frei bist, stehst du auf und dir fällt wieder das weinende Mädchen ein. Jede Sekunde, die du länger hier bist, erhöht die Chancen, dass dein Entführer zurückkommt und wer weiß, was er dann mit dir macht. Du möchtest nicht sterben. Das Mädchen zu befreien würde einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber auf der anderen Seite empfindest du Mitleid und würdest sie ungerne hier ihrem Schicksal überlassen.

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