Archdorf Route 2 - Gasse

         Du schiebst dein schlechtes Gefühl bei Seite und sagst dir, dass es bestimmt nur Einbildung ist. Es ist nicht das erste Mal, dass du bei Dunkelheit diese Gasse entlang gegangen bist und bisher ist nie etwas vorgefallen. Dennoch ist dir bewusst, dass du hier in Archdorf bist und auf der Hut sein musst. Du denkst, dass hier immer etwas passieren kann, aber der Gedanke an die warme Gaststätte und an ein Dach über dem Kopf zum Schutz vor dem niederschmetternden, erbarmungslosen Regen treibt dich vorwärts und so betrittst du die dunkle Gasse. Deine Chromalaterne leuchtet dir den Weg und du siehst hier und da Müll auf dem schlammigen Boden liegen. Ein fauler Geruch steigt dir in die Nase und du entdeckst zu deinen Füßen den Körper einer toten Ratte. Angewidert kneifst du dir die Nase zu und passt auf nicht auf das tote Tier zu treten. Du kannst dich nicht daran erinnern, dass es bei deinem letzten Besuch hier so schlimm war. Plötzlich bemerkst du aus dem Augenwinkel die Silhouette einer Person auf dem Boden. Den Kopf angelehnt an eine Hauswand. Du wirst nervös und stellst dich innerlich schon darauf ein gleich eine Leiche zu sehen, als du näher kommst und siehst, dass die Person noch atmet. Es handelt sich um einen Mann mit nur einem Arm, in seiner Hand eine leere Flasche haltend. Neben dem fauligen Gestank des Mülls bemerkst du nun auch den beißenden Geruch von Alkohol und dir wird klar, warum der Mann hier im kalten Regen liegend im Dreck schläft. Du hast Mitleid, kannst aber nichts für ihn tun und hoffst nur inständig, dass es dir nicht einmal genauso schlecht ergeht. Du willst nicht als hoffnungslose Alkoholleiche am Straßenrand enden. Wieder musst du an deine Familie denken und dass du deinen Kindern gerne ein besseres Leben bieten möchtest als du weitergehst.

Mittlerweile hast du schätzungsweise schon die Hälfte der Gasse hinter dir, als du ein raschelndes Geräusch hörst. Es kommt von einem Busch unter dem Baum, unter dem du gerade durchgehst. Du bleibst stehen und wendest dich dem Gestrüpp zu. Kurz denkst du daran, dass eventuell ein Mensch hinter dem Rascheln stecken könnte und greifst bereits nach deinem Dolch, doch du verwirfst deinen Gedanken direkt, da es sich um einen sehr kleinen Busch handelt. Dennoch hast du irgendwie das Gefühl beobachtet zu werden und ein kalter Schauer läuft dir den Rücken herunter. Aber als du dich umsiehst kannst du niemand erkennen. Du leuchtest den Schein deiner Chromalaterne also in die Richtung des Geräuschs und schaust genauer hin. Zu deiner Überraschung kommt eine orange-farbene Katze mit bernsteinfarbenen Augen unter den grün—braunen Blättern hervor und miaut dich an. Das Tier hat scheinbar Schutz vor dem Regen gesucht und dieser Platz unter dem Baum schien ein guter Zufluchtsort für es zu sein. Die Katze setzt sich elegant hin und legt ihren Schwanz über ihre Vorderpfoten.

de_DEDeutsch