Archdorf Route 4.1 - Ihn angreifen, um mit dem Mädchen zu fliehen

Du könntest ihn angreifen! Schließlich bist du mit einer Axt bewaffnet und er nicht. Doch deine Hände zittern so sehr und du kannst keinen Mut dafür finden. Also rufst du dir all die grausamen Taten dieses Schandtäters dir gegenüber in den Sinn und sammelst dadurch so viel Hass, dass dieser deine Angst zu unterdrücken vermag. Du wirst diesen Mörder mit deiner scharfen Axt angreifen, ihn zu Boden stürzen und in deiner Verzweiflung so lange auf ihn einschlagen, bis er sich nicht mehr bewegt! Du wirst nicht zulassen, dass er dem Mädchen und dir auch nur noch ein weiteres Haar krümmt. Du hast noch nie einen Menschen getötet, dachtest auch nicht daran, dass du es einmal müsstest, aber nun gibt es für dich keinen anderen Ausweg mehr. Dieser Mann wird dich und das Mädchen töten, es sei denn du nimmst ihm das Leben zuerst. Du hast nur diese eine Chance. Wenn du scheiterst, ist es vorbei. Und in Anbetracht der Situation und der grausamen Taten, die dieser Mörder in Wolfsmaske bereits begangen hat, wirst du kein schlechtes Gewissen ertragen müssen sein Leben beendet zu haben.

Du beißt deine Zähne zusammen und dein Blick strotzt voller Zorn, krampfhaft versucht du die Angst und das Zittern durch deinen Hass zu verdrängen. Als der Psychopath nur noch drei bis vier Schritte von dir entfernt ist, dringt ein lautstarker Kampfschrei aus deiner Kehle und du stürmst auf ihn los, Hände fest die Axt umklammernd. Du reißt deine Arme mit dem scharfen Gegenstand in die Luft und machst dich bereit zuzuschlagen. Du bemerkst, wie auch dein Gegenüber den Arm in deine Richtung ausstreckt, vermutlich will er sich wehren. Aber gegen deine Axt hat er zweifelsohne keine Chance. Du schmetterst die Waffe mit all deiner Kraft, die du aufbringen kannst nieder und siehst vor deinem inneren Auge bereits wie sie den Schädel des Mörders spaltet. Doch plötzlich schießt aus dessen Hand ein Wasserball, der auf deine Axt gerichtet ist. Wassermagie?! Das unerwartete Geschoss trifft auf deine Waffe und ändert durch den kräftigen Aufprall die Richtung des Schlages. Dein Hieb geht ins Leere, knapp an deinem Ziel vorbei. Damit hast du nicht gerechnet. Du verlierst dein Gleichgewicht durch den verfehlten Schlag und fällst nach vorne. Nach einem harten, schmerzhaften Aufprall auf dem Boden liegst du zu den Füßen deines Entführers. So schnell wie möglich wendest du dich um und versuchst die Axt auf seine Beine zu schmettern, doch ehe du dich versiehst kickt er dir die Waffe aus den Händen, tritt mit vollem Körpergewicht auf deinen Rücken und holt einen spitzen Gegenstand aus seiner Hosentasche hervor. Es sieht aus wie eine Spritze. Bevor du begreifen kannst, was gerade passiert, jagt er dir die Nadel in den Nacken. Wa-was macht er da?! Du merkst, wie die Nadel wieder aus deiner Haut gezogen wird und der Mann in Maske von deinem Rücken steigt. Dein Herz rast. Panisch und heftig atmend raffst du dich auf, kniest nun auf dem Boden, dich auf deinen Händen abstützend. Du erblickst die Axt, welche kaum weiter als zwei Meter von dir entfernt liegt und willst aufstehen, um an sie heranzukommen. Doch beim Versuch dich auf deine Beine zu stellen, knickt dein Fuß weg und du fällst wieder auf alle Viere. W-wie?! Dir erschließt sich nicht, wie du in diesem brenzligen Augenblick so tollpatschig sein konntest, dass du umknickst. Erneut unternimmst du einen Versuch aufzustehen, doch dieses Mal geben deine Knie nach und du fällst nach vorne auf die Brust, deine Hände unfähig dein Gewicht zu tragen. Der Mörder gibt ein leises Lachen von sich. „Haha… Was ist denn los? Gerade war das kleine Schäfchen noch in einer gesunden Spiellaune und jetzt ist es müde?“ Du willst dich erneut aufraffen, aber diesmal gehorchen dir neben deinen Beinen auch deine Arme nicht mehr. Was passiert mit mir?! Ich kann… mich nicht bewegen! Du fühlst eine überwältigende Müdigkeit langsam über dich kriechen und nur wenige Sekunden später fallen dir die Augen zu. Auch die markerschütternden Schreie des Mädchens und das Lachen des Mannes in Wolfsmaske verstummen.

 

Langsam kommst du wieder zu dir. Du öffnest die Augen und das Erste, was du siehst ist das arme Mädchen. Sie weint nur wenige Meter von dir entfernt leise vor sich hin, ist wieder gefesselt, diesmal sowohl Arme als auch Beine. Eure Blicke treffen sich und du siehst wieder einen Ausdruck von blankem Horror und purer Verzweiflung in ihren Augen. Du willst deinen Kopf bewegen, um dich umzusehen, aber es gelingt dir nicht. Noch immer kannst du dich nicht bewegen. Keinen Zentimeter. Scheinbar liegst du mit dem Rücken auf dem Boden. Lange musst du allerdings nicht so verharren, denn kurz nach deinem Erwachen erklingt eine Stimme, die dich erschaudern lässt. „Na? Gut geschlafen, kleines Schäfchen?“ Es ist der Mörder. Du spürst, wie er deinen Kopf ein Stück dreht, sodass du nun die Decke des Raumes und ihn siehst. „Ach, keine Sorge, das Schäfchen muss sich für unser nächstes Spiel nicht bewegen können. Das Mittelchen, das ich dir injiziert habe, lähmt zwar den Großteil deiner Muskeln, aber das kleine Schäfchen kann immer noch alles spüren, was mit seinem Körper geschieht. Und das ist das Wichtigste für unser nächstes Spiel. Ich hoffe, wir haben viel Spaß dabei!“ Entgeistert siehst du den Mann in Wolfsmaske an. Was hat er mir da nur gespritzt?! Was hat er mit mir vor?! Panisch versuchst du alles in deiner Macht Stehende, um dich zu bewegen, aber vergebens. I-ich… kann keinen Muskel rühren! Deine Verzweiflung treibt dich dazu schreien zu wollen, aber du kannst weder deinen Mund öffnen, noch einen Laut von dir geben. Deine Augen füllen sich mit Tränen und du atmest so heftig, dass du fast keine Luft mehr bekommst. Der Mörder lacht und hebt deinen Kopf an, um einen Lumpen darunter zu platzieren. Er lässt von dir ab und du siehst nun durch die erhöhte Kopflage deinen nackten Körper vor dir. „Oh, falls sich das Schäfchen wundert, warum es nicht mehr in eine Decke gewickelt ist – die brauchen wir für unser Spielchen nicht. Im Gegenteil… sie würde uns sogar dabei im Weg sein.“ Aus den Augenwinkeln siehst du den Psychopathen wegtreten und vernimmst nur noch seine Schritte auf dem Boden. Einen Augenblick später hörst du wie er wieder zu dir zurückkehrt und er erscheint erneut in deinem Blickfeld. Er hält eine Flasche mit einer rotbraunen Flüssigkeit in der einen Hand, in der anderen ein Skalpell. Der Mann im Anzug geht neben dir in die Hocke und stellt die Flasche neben sich zu deinen Füßen ab. Unfähig dich zu bewegen und diesem grausamen Menschen hilflos ausgesetzt kannst du nichts anderes tun, als ihn zu beobachten und die unerträgliche Situation hinzunehmen. „Vorbereitungen sind komplett! Lasset das Spiel beginnen! Hahaha!“ Du findest das kranke Lachen des Mörders abstoßend, gleichzeitig aber lässt es dich erschaudern. W-was soll das für ein Spiel werden?! Der Mann in Wolfsmaske hebt die Hand, in der er das Skalpell hält und präsentiert es dir ausgiebig, bevor er es in der Mitte deines Oberkörpers zwischen den Rippen ansetzt. Dein Herz schlägt so schnell, es droht zu zerspringen, während deine Augen fixiert auf das Skalpell sind, jede Bewegung des scharfen Gegenstandes verfolgend. Schweißgebadet versuchst du erneut dich zu bewegen, aber dein Körper gehorcht dir nicht. Deinem Schicksal hilflos ausgesetzt spürst du die kalte Klinge auf deiner Haut. Du hörst wie das Mädchen neben dir wieder anfängt zu schreien und laut zu weinen, aber du nimmst es in deiner Angst kaum noch wahr. Nun drückt der Mörder das Skalpell in deine Haut. Du spürst einen stechenden Schmerz und Blut quellt unter dem scharfen Messer hervor. Du willst wieder schreien, aber bringst keinen Laut hervor. Die Hand des Psychopathen bewegt sich mit dem Skalpell an deinem Bauch entlang, hinab bis zu deiner Hüfte. Du brichst in Tränen aus, noch nie hattest du solche Schmerzen. Du kannst es nicht ertragen und dennoch bleibt dir nichts anderes übrig. Als wäre diese Folter nicht schon genug musst du zusehen, wie sich deine Bauchdecke öffnet und deine Innereien zum Vorschein kommen, während du spürst, wie sich deine Haut spaltet und immer weiter auseinanderzieht. Es ist das furchtbarste Gefühl, das du in deinem ganzen Leben je hattest. Während du in absolutem Schockzustand deine Innereien zucken siehst legt der Mörder das Skalpell weg und nimmt die Flasche mit der rotbraunen Flüssigkeit. Er öffnet sie und riecht daran. Ein beißender Geruch breitet sich im Raum aus und du erkennst daran, dass es sich um Alkohol handelt. Scheinbar stolz präsentiert dir der Mann im Anzug auch dieses Mal, was er in der Hand hält. „Mh… Welch kräftige Note dieser edle Rum doch hat… Dies, mein Schäfchen, ist pures Gold, der beste und stärkste Rum, den diese Welt zu bieten hat! Vorausgesetzt man trinkt ihn nicht, sondern… verwendet ihn zum Spielen. Also für uns ist er perfekt!“ Ohne zu zögern, kippt er die Flasche und der hochprozentige Alkohol fließt in deinen offenen Körper. Du dachtest davor, dass nichts stärker brennen könne als diese Wunde, die er dir mit dem Skalpell zugefügt hat, aber als der ätzende Rum durch deinen Bauch sickert und deine Organe umspült hebt sich dein Schmerz auf ein komplett neues Level. Ein hoher Ton, der schon eine Weile in deinem Kopf klingt, wird stetig lauter und du drohst in Ohnmacht zu fallen durch die Folter. Deine Augen beginnen zu flimmern und deine Atmung setzt kurzweilig aus. Doch ein harter Schlag mitten ins Gesicht verhindert fürs Erste, dass dir schwarz vor Augen wird. Du richtest deinen Blick wieder auf deinen offenen Bauch, kaum fällt dir auf, dass deine Nase nach links zeigt und durch den Schlag gebrochen wurde. Aus der Flasche tropfen die letzten Reste der beißenden Flüssigkeit und der Mann in Maske wirft das gläserne Objekt beiseite. Aus deinem Körper tritt eine Mischung aus Blut und Rum hervor und fließt an deinen Seiten herab. Der Mörder lacht schrill auf und erhebt sich aus seiner Hocke. Er entfernt sich aus deinem Blickfeld und einen Augenblick später schreit er hysterisch auf. „Feuer frei!“ Aus dem Augenwinkel siehst du noch ein angezündetes Streichholz auf deinen Bauch zufliegen, aber bevor du realisieren kannst, was passiert, entfacht eine lodernde Flamme aus deiner mit Rum gefüllten offenen Wunde. Du siehst, wie dein Körper brennt, wie sich langsam Blasen auf deinen Organen bilden und vernimmst den Geruch von verbranntem Fleisch gemischt mit einer rauchigen Note des entflammten Alkohols. Das Mädchen neben dir schreit so laut wie nie zuvor, der Mörder lacht und freut sich über seine Tat. Augenblicke, die sich für dich wie eine Ewigkeit anfühlen, verstreichen unter Schmerzen, die sich kein Mensch vorstellen kann, bevor deine Lunge versagt und dir dein Atem stockt. Fast zeitgleich erfolgt der Herzstillstand. Deine Augen sind so weit aufgerissen, dass bereits einige Adern geplatzt sind, als deine Sicht beginnt zu verschwimmen. Erfolglos nach Luft ringend wird dir schwarz vor Augen. Die Geräusche um dich herum verschwinden und lassen nur den einzelnen hohen Ton zurück. Für einen kurzen Moment befindest du dich in purem Schwarz und du merkst, dass du keine Schmerzen mehr spürst. Dann ist es vorbei.

Ende 5: Flambiert

de_DEDeutsch