Archdorf Route 1 - Straße

Du beschließt auf dein Bauchgefühl zu hören und nichts zu riskieren, während du wieder an die Worte deines alten Freundes Buck denkst. Zwar glaubst du nicht, dass du Opfer des Halloween-Mörders werden würdest, aber auch ein „normales“ Verbrechen könne in dieser bestimmten Nacht passieren. Da du die Verantwortung für deine Familie trägst und dir dein Leben lieb ist, wählst du den beleuchteten Weg, der ins Innere des Dorfes führt. Durchnässt bist du ohnehin schon, da macht es auch keinen Unterschied mehr, ob du 20 Minuten länger unterwegs bist oder nicht.

Du stapfst durch einige Pfützen auf dem mittlerweile schlammigen Straßenboden und kommst nach einiger Zeit am Dorfplatz an. Deine Schuhe sind mittlerweile ebenfalls durchnässt und machen bei jedem Auftreten ein knarzendes Geräusch. Die große Kirchenfront ragt vor dir in die Höhe und du hörst das Plätschern des Brunnen, der sich inmitten des Platzes befindet und sichtbar beschädigt ist, sodass an manchen Stellen Wasser durch Risse im Stein herausfließt. Du bemerkst einen Mann, der sich die Kapuze seiner Jacke übers Gesicht gezogen hat, den Blick starr zu Boden gerichtet. Zügig geht er an dir vorbei, wahrscheinlich um dem Regen zu entfliehen und sich irgendwo unterzustellen. Du kannst einen genaueren Blick auf ihn erhaschen und stellst fest, dass er mit einem Schwert bewaffnet ist, die Hände fest am Schwertgriff verankert. Da du in Archdorf bist machst du dir darüber keine weiteren Gedanken und gehst weiter. Als du den Brunnen passierst nimmst du aus deinem Augenwinkel eine hastige Bewegung wahr. Du schaust genauer hin und siehst eine Silhouette aus einer überdachten Gasse auf dich zukommen. Je näher der Fremde kommt, desto genauer kannst du ihn sehen. Es ist ein Mann, Ende vierzig, braune lange, fettige Haare, brauner Stoppelbart, sichtlich ungepflegt, abgemagert und gekleidet in Lumpen. Eines seiner Augenlider hängt über sein Auge, schließt es zur Hälfte. Du kommst zu dem Schluss, dass es sich um einen Obdachlosen handeln muss. Der Mann reibt sich die Hände und setzt ein breites Grinsen auf, während er immer näher an dich heranhumpelt. Du wendest deinen Blick von ihm ab und gehst strammen Schrittes weiter. Er erscheint dir nicht wie eine Gefahr, aber du hast dennoch keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit ihm. Du möchtest einfach nur auf schnellstem Wege zur Gaststätte. „Oh, bitte wartet! Hättet Ihr freundlicherweise ein wenig Geld für einen alten Bettler übrig? Mein Kumpel dort hinten und ich sind am Verhungern, drei Tagen sind es nun seit unserer letzten Mahlzeit… Bitte habt Erbarmen… Bitte helft uns dem Hungertod ein weiteres Mal von der Schippe zu springen…“ Mit kratziger, aber emotionsgeladener Stimme bittet dich der Bettler um Hilfe. Du bleibst stehen, drehst dich aber nicht um. Obwohl der Obdachlose ziemlich überzeugend klingt, ist dir auch bewusst, dass er genauso gut auch ein Drogenabhängiger sein könnte, der Geld für seine Sucht braucht und einfach nur ein guter Schauspieler ist. Du seufzt und fragst dich, warum ausgerechnet du nun in diese Situation geraten bist. Auf der einen Seite weißt du wie es ist zu hungern und wenn er wirklich Hilfe braucht, so würdest du ihm gerne helfen, aber auf der anderen Seite geht es hier um dein hart verdientes Geld, das wiederum deine Familie vom Hungern abhält und du hast kein Verständnis dafür, dass es in Drogen investiert wird. Gutmütig wie du bist, fällt dir die Entscheidung schwer, aber du möchtest die Situation so schnell wie möglich hinter dir lassen.

de_DEDeutsch